Erbaut wurde das Haus im 18.Jahrhundert als Gaststätte zum „Schwarzen Adler“.
Alte Jerichower konnten sich noch an den Ballsaal im 1. Stock erinnern. Im Hof befanden sich Unterstellplätze für Pferde und weitere Nebengelasse.
Um 1910 wurde das Grundstück und das Gebäude geteilt. Das Nachbarhaus wurde neu errichtet. Unser Haus erhielt seine heutige Raumaufteilung.
1920 kaufte mein Großvater, Johannes Moeller aus Magdeburg, das Haus und ließ sich als Rechtsanwalt und Notar in Jerichow nieder. Im Wohnzimmer der Wohnung, in der Sie sich befinden, befand sich das Büro meines Großvaters. Im jetzigen Schlafzimmer residierte seine aus Jerichow stammende Sekretärin. Die heutige Küche war Gästezimmer der Familie.
Am 15.April 1945 wurden die Hofgebäude, von amerikanischen Granaten getroffen. Alle Hausbewohner und Flüchtlinge, die sich im darunter befindlichen Keller aufhielten, blieben unverletzt. Ein Flüchtlingspaar aus der Neumark stellte sich den Raum im Seitenflügel des Hauses wieder her und erhielt des Vorzimmer als Wohnküche. Die Verbindungstür zum Büro, dem heutigen Wohnzimmer, wurde entfernt und zugemauert und die Tür von der jetzigen Küche in das Wohnzimmer eingebaut. Die Sekretärin, bzw. der Mitarbeiter zogen für ca. 2 Jahre hier ein.
Anfang der 1950er Jahre wurde die Wohnungsnot durch die vielen Flüchtlinge jedoch so groß, dass mein Großvater sein Büro in die Wohnung im Obergeschoss verlegen musste. Die zeitweilig 10 Hausbewohner holten ihr Trink- und Brauchwasser aus der Pumpe auf dem Hof und benutzten ein mittlerweile abgerissenes Trockenklosett auf dem vom Garten abgetrennten Hühnerhof, auf dem sich auch die offene Sickergrube befand, in die alle Abwässer geschüttet wurden.
1959 wurde am Haus ein neuer Brunnen gebohrt und im Keller eine Elektropumpe für die Hauswasserversorgung installiert. Auf jeder Etage stand nun ein Wasserhahn zur Verfügung. Da die meisten Hausbewohner nun über 70 Jahre alt waren, bedeutete es schon eine Erleichterung, das Wasser nicht mehr pumpen und eimerweise ins Haus tragen zu müssen.
Als 1965 im Garten eine Kleinkläranlage gebaut werden konnte, wurden die Küchen im Ober- und Untergeschoss geteilt und Toiletten eingebaut. Der Wunsch einiger Hausbewohner, nach wie vor das Toilettenhäuschen auf dem Hühnerhof zu benutzen, erledigte sich mit den Jahren. Wenn überhaupt, so konnten die meisten Räume des Hauses mit Kachelöfen oder kleinen eisernen Öfen beheizt werden.
1988/89 wurden zwei Etagenheizungen mit Brikettfeuerung eingebaut, die dann nach der Wende schnell durch einen modernen Heizkessel ersetzt werden konnten.
Der Strukturwandel nach der Wende 1989 blieb auch für Jerichow nicht ohne Auswirkungen: für junge Leute war es schwer, Arbeit zu finden, eine allgemeine Abwanderung setzte ein, wie Sie an den vielen leerstehenden Läden in der Hauptstraße unschwer feststellen können. Erst die Etablierung verschiedener touristischer Routen, die das kunsthistorische Kleinod „Kloster Jerichow“, den Reiz der weiten Elbauenlandschaft, des Pilgerpfades und Vernetzung mit anderen Orten ähnlicher Bedeutung entdeckten, bieten Jerichow eine neue Chance.

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